Umstellung auf Ökolandbau in Schleswig- Holstein.
Seit dem Jahr 2003 verzeichnet der Bio-Landbau in Deutschland ein stabiles, aber geringes Wachstum zwischen zwei bis fünf Prozent in Bezug auf die Fläche und die Betriebe. Dies spiegelt jedoch keinesfalls die viel stärker wachsende Nachfrage nach Bio-Produkten in den letzten Jahren wieder.
Die Umstellungsbereitschaft in der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland hält nicht Schritt, was dazu führt dass die steigende Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln zunehmend durch Rohstoffimporte aus anderen EU-Ländern (z B Osteuropa, Dänemark, Österreich) und Drittländern gedeckt werden muss. Vor dem Hintergrund, dass der Biomarkt weiterhin kontinuierlich im zweistelligen Bereich wächst und den positiven Signalen die von der weltgrößten Biofachmesse aktuell in Nürnberg ausgeht, ist weitere Ausdehnung zu erwarten.
Insgesamt hat sich die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Europa in den letzten fünfzehn Jahren mehr als verzehnfacht. Für hiesige landwirtschaftliche Betriebe bietet die Umstellung auf Ökolandbau daher große Chancen.
Risikolos ist der Weg allerdings nicht. Das wirtschaftliche Umfeld für landwirtschaftliche Betriebe verändert sich zunehmend und muss auch bei der Umstellungsplanung auf ökologische Wirtschaftsweise berücksichtigt werden.
Der ÖKORING berät seit 1986 ökologisch wirtschaftende Betriebe in Schleswig-Holstein und Hamburg und ist für fachgerechte Beratungen zur Umstellung auf ökologischen Landbau Beratungspartner.
In Schleswig- Holstein steht mit der Antragsfrist 15. Mai 2009 für einige wirtschaftende Betriebe wieder das Thema Umstellung auf Ökolandbau zur Diskussion.
Zu beachten ist, dass heutige Investitionen, die getätigt werden für die Betriebe eine gewisse Festlegung der Produktionsweise in den nächsten Jahren beinhalten.
Diese können die Perspektiven des Betriebes, später auf ökologische Wirtschaftsweise umzustellen, einschränken. Dies gilt insbesondere für den Bereich Tierhaltung, wo z. T. neue Ställe gebaut werden, die sich nur schlecht für eine spätere Umnutzung zu ökologischer Tierhaltung eignen. Damit ist die Produktionsweise für Jahre bis Jahrzehnte festgelegt.
Beispiele aus der Praxis
Vor diesem Hintergrund stellen wir drei ÖKORING- Betriebe vor, die in den letzten Jahren den Weg in den Ökolandbau gegangen sind. Folgende Fragen wurden den Betriebsleitern gestellt:
Betrieb 1: Familie
Wir haben den Betrieb am 5.7.2007 auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. Aktuell bewirtschaften wir 95 ha wobei 5 ha Dauergrünland sind bei ca. 35 Bodenpunkten. Die bisherigen Feldfrüchte sind Roggen, Triticale und Dinkel. Zukünftig werden wir verstärkt auch Kleegras, als Untersaat ausgebracht,in die Fruchtfolge aufnehmen. Wir halten einen Tierbestand von 400 Sauen und 80 Mastschweineplätzen in Freilandhaltung.
Auf die ökologische Landwirtschaft sind wir durch die Öko- Vermarktung gekommen und durch Lehrinhalte an der Fachhochschule Landwirtschaft in Rendsburg. Der Schritt in die Umstellung fiel uns eher leicht, da im Jahr 2007 der Schweinmarkt weitgehend zusammengebrochen war mit sehr niedrigen Ferkel- und Mastschweineerlösen. Zudem wurden im Ökobereich dringend Öko- Ferkel mit größerer Partienstärke gesucht. Der Preisabstand war damals mit einem Grundpreis je 25 kg Ferkel mit ca. 30,-€ konventionell zu 80,-€ ökologisch relativ groß, wenn auch im Ökobereich insbesondere aufgrund des Futters deutlich höhere Produktionskosten zu veranschlagen sind. Durch unsere Freilandhaltung hatten wir es leicht hinsichtlich der Haltungsbedingungen umzustellen.
Veränderungen haben sich für uns durch die Umstellung in folgenden Bereichen ergeben: Die Rentabilität der Flächennutzung hat sich deutlich verbessert. Im Getreidebereich sind die Erträge um ca 20% gesunken, wir können aber deutlich höhere Erlöse erlangen. Im Bereich der Tierhaltung sind die Jungsauen aufgrund nach EU- Öko- Verordnung vorgeschriebenen 40 Tage Säugezeit etwas stärker abgesäugt, was wir aber inzwischen durch eine spätere Erstbelegung mit 240 Tagen verbessert haben. Auch durch diese Maßnahme ist die Umrauscherquote nicht gestiegen. In der Arbeitswirtschaft ist hat es nur wenig Veränderungen gegeben. Wir lagen schon vor der Umstellung bei ca 15-17 AKh/Sau. Im Durchschnitt kann man aber in der ökologischen Sauenhaltung bei kleineren Beständen wohl eher mit 20 bis 30 Akh/Sau rechnen.
Insgesamt hat uns bei der Umstellung der ÖKORING intensiv begeleitet durch detaillierte Planungsrechnungen im Bereich Rentabilität, Futter, Haltung und Finanzierung. Auch die Unterstützung bei der Ausarbeitung eines sinnvollen Vertrages mit der Vermarktung war für uns sehr hilfreich.
Die wirtschaftlichen Perspektiven für die ökologische Landwirtschaft und auch die ökologische Schweinehaltung sehen wir eher gut. Dabei darf der Preisabstand konventionell zu ökologisch letztlich beim Fleisch in der Theke nicht zu groß werden. Hier ist der Ökolandbau gefordert innerhalb des Rahmens Ökolandbau günstige Wege zur Produktion zu beschreiten. Insbesondere im Bereich Stallbau könnte ein Landesprogramm z B über AFP helfen, wenn hier besonders tiergerechte Haltungsformen zu deutlich vergünstigten Förderbedingungen angeboten werden würden.
Neuen Ökolandwirten würden wir raten insbesondere die Vermarktung bei der Umstellung zu beachten und möglichst einen guten Abnahmevertrag zu erarbeiten. Es ist ja nur ein kleiner Markt, in den man hineinkommt, was Schwankungen verursachen kann. Wichtig ist auch mit Hilfe der Öko- Beratung sich einen detaillierten Umstellungsplan hinsichtlich der zukünftigen Wirtschaftlichkeit zu erstellen.
Betrieb 2: Familie Knutzen, Hürup
Wir haben im Juli 2007 auf Ökolandbau umgestellt. Momentan sind es 100 ha bei 80 ha Acker mit ca. 50 Bodenpunkten. Das Grünland nutzen wir insbesondre zur Heuwerbung für Pferdehalter und zur Raufuttergewinnung bei den Schweinen. In der Umstellung haben wir vorwiegend Erbsen- Gerste- Gemenge, Futterweizen und Triticale angebaut. Auch setzen wir Zwischenfrüchte z. B. Senf ein. Ab dem kommenden Sommer werden wir auch Brotgetreide anbauen. Der Kleegrasanteil wird wohl langfristig bei uns bei ca. 20 % liegen. Hierdurch werden wir die Stickstofffixierung sichern. Im Tierhaltungsbereich haben wir nun 50 Sauen und 400 Mastplätze.
Ich hatte seit der Schulzeit Interesse am Ökolandbau, aber immer gedacht, dass es sich nicht rechnen kann. Das würden wir nun nicht bestätigen. Es ist aber meist liquiditätsmäßig in den ersten Umstellungsjahren schwierig, da noch z. T konventionell vermarktet werden muss und schon nach der Öko- Verordnung produziert werden muss; insbesondere das Öko- Futter ist hier ein wesentlicher Kostenfaktor. Zudem werden bei der Stallhaltung eher Mittel benötigt zur Anpassung der Tierhaltung. Wir haben selbst nun einen neuen Öko- Stall für die Mastschweinehaltung gebaut.
Den Schritt zur ökologischen Wirtschaftsweise sind wir letztlich gegangen, da wir im Jahr 2007 mit 180 Sauen im Freiland keine Zukunftsfähigkeit mehr gesehen haben. Zudem hatten wir mit der Freilandhaltung relativ einfache Möglichkeiten umzustellen. Auch die Signale des Marktes ließen den Schluss zu, dass Öko- Ferkel gesucht waren. Das hat sich aber im letzten Jahr etwas gewandelt. Da der Öko- Schweinemarkt sehr klein ist, wird er durch neue Marktakteure leicht beeinflusst, er ist dadurch insgesamt volatiler.
Aktuell hat sich nun unser Betrieb neben der Umstellung auf Ökolandbau auch hin zu einem geschlossenen System im Bereich Schweine entwickelt. Hinsichtlich der Arbeitswirtschaft ergeben sich höhere Aufwendungen durch den Festmist- und Einstreubereich aber auch hinsichtlich der geforderten zusätzlichen Dokumentationspflichten.
Auch im Ackerbau hat sich eine Veränderung ergeben. Konnten wir vor der Umstellung noch pfluglos wirtschaften, so ist jetzt das Pflügen wieder ein Bestandteil der Bewirtschaftung, insbesondere zur Reduzierung von Disteln und Ampfer, da Totalherbizide nicht eingesetzt werden können. Die Erträge sind von 90 dt/ha auf ca 45 dt/ha gesunken.
In der Umstellung war die Begeleitung durch den ÖKORING wichtig, da detaillierte Planungen Teil der Umstellungsberatung sein müssen. Auch Bedenken hinsichtlich der Unkrautproblematik konnten so leichter besprochen werden. Inzwischen ist die befürchtete Unkrautproblematik weitaus geringer als erwartet. Zu beachten ist aber, dass wir nun im dritten Jahr der Umstellung sind.
Zukünftig gehen wir von einer zunehmenden Bedeutung des Ökomarktes aus. Im Bereich Ackerbau werden bei anhaltend guter Nachfrage weiter akzeptable Erlöse, insbesondere im Bereich Speiseware bei guten Qualitäten zu erzielen sein. Im Bereich Schweine sollte man langfristig dahin kommen, dass die Bestandsgröße zur Transportgröße der LKWs und zum Abnehmer passt um hier den Kostenfaktor möglichst gering zu halten.
Wer heute umstellen will sollte im Bereich Rentabilität, aber auch im Bereich Liquidität über die Zeit der Umstellung detaillierte Planungen erarbeiten lassen.
Betrieb 3: Familie Bischoff, Unewatt
Wir haben bereits im Juni 2004 auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. Aktuell sind es 90 ha mit 70 ha Acker und 20 ha Dauergrünland. Die Bodengüte liegt bei 45 bis 55 Bodenpunkten. Im Bereich Ackerbau bauen wir Raps, Dinkel, Weizen- Ganzpflanzensilage und Ackerbohnen an. Den Silomais haben wir aufgrund der sehr hohen Anforderungen im Bereich Nährstoffversorgung und Unkrautfreiheit im Jugendstadium wieder aus der Fruchtfolge herausgenommen. Aktuell haben wir bei einer Quote von 340000 kg 70 Kühe mit insgesamt 185 Rindern. Die Milchkuhherde besteht aus 70% Schwarzbunt und 30 % Angler. Aufgrund des teurer gewordenen Kraftfutters melken wir einen höheren Anteil aus dem Grundfutter und haben den Kraftfutteranteil abgesenkt. Insgesamt ist dadurch die durchschnittliche Milchleistung je Kuh in der Umstellung von 8500 kg auf 6500 kg zurückgegangen.

Zum ökologischen Landbau bin ich durch ein Schulpraktikum auf einem Demeter- Betrieb gekommen. Der Ökolandbau hat mich dann in meinem beruflichen Werdegang in der Lehre und später dann Studium am Lehrstuhl für Ökolandbau in Witzenhausen geprägt. Später war ich dann über sechs Jahre im ÖKORING als Milchviehberater tätig. In dieser Zeit haben wir auch die Umstellung des elterlichen Betriebes intensiv geplant. Hierbei wurden wir auch durch die ABCert- Kontrollstelle und den Bioland- Verband begeleitet. Wir haben zu einer Zeit umgestellt, als noch nicht in allen Teilen Schleswig- Holsteins auch Ökomilch von der Meierei abgeholt wurde. Die Intention kam eher aus grundsätzlichen Überlegungen heraus wie Umweltschutz und Ressourcenschutz.
Verändert durch die Umstellung hat sich im Bereich der Tierhaltung nur wenig. Die Kühe haben im Sommer Weidegang. Entsprechend konnten wir den Laufstall gut weiter nutzen. Im Bereich der ehemaligen Bullenmast haben wir Bereiche mit eingestreuten Liegebuchten eingerichtet. Auf den Ackerflächen hat sich der Futterbau deutlich ausgedehnt, wobei das zweijährige Kleegras eine zentrale Stellung hat. Wir haben nun 0,65 RGV/ha Haupfutterfläche.
In Zukunft wird sich der aus meiner Sicht der Ökolandbau weiter ausdehnen. Die Frage ist ob er sich in Deutschland in dem Umfang ausdehnt, wie die Produkte auch nachgefragt werden. So wird aktuell von Österreich und Dänemark in nennenswertem Umfang Ökomilch nach Deutschland exportiert. Inwieweit sich unter diesen Vorgaben auf dem begrenzten Markt ein Milchpreis von mehr als 36 ct/kg halten lässt wird auch davon abhängen, wir viel der Markt letztlich aufnehmen kann.
Aus Beratungssicht möchten wir darauf hinweisen, dass bei jedem Umstellungsvorhaben eins klar sein muss: Die Umstellung ist kein Selbstläufer. Um erfolgreich zu wirtschaften, muss der Biobauer genauso wie sein konventioneller Kollege unternehmerisches Talent und eine hohe Kompetenz in der Produktion und vor allem in der Vermarktung besitzen.
Was ist bei der Umstellung auf Ökolandbau zu beachten?
Ob auf dem eigenen Betrieb eine Umstellung auf Ökolandbau möglich ist, lässt sich am Besten mit Hilfe einer detaillierten Umstellungsplanung erstellen.
Die Umstellungsplanung beinhaltet folgende Schritte und wird betriebindividuell angepasst:
Der ÖKORING erstellt bei Bedarf hierzu mehrjährige Betriebsentwicklungspläne, mit Kennzahlen der Liquidität, Rentabilität und Stabilität, die entsprechend im Jahresabschluss wieder zu finden sind. So kann zwischen Planung und späterem realen Ergebnis festgestellt werden, ob sich der Betrieb im Zielkorridor der Entwicklung befindet.
Die Umstellungsberatung durch die ÖKORING- Berater wird durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) mit 50% gefördert.
Betriebe, die durch die Umstellung auf Ökolandbau am ehesten einen hohen wirtschaftlichen Erfolg erreichen, zeichnen sich durch folgende Faktoren aus: Sie erreichen höhere Preise für ihre Produkte und es lassen sich höhere Naturalerträge im Ackerbau und in der Viehhaltung feststellen. Die nach der Umstellung erfolgreichen Ackerbaubetriebe sind eher größer und haben entsprechend einen niedrigeren AK/ha Besatz als die weniger erfolgreichen. Bei den Milchviehbetrieben erreichen die erfolgreicheren höhere Milchleistungen bei niedrigerem Aufwand an Kraftfutter, Tierarzt und Medikamenten. Auch eine gute landwirtschaftliche Ausbildung ist häufig ein Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Umstellung. Der Spezialisierungsgrad und die Standortgüte haben nicht unbedingt einen Einfluss auf den Umstellungserfolg.
Was ändert sich durch die Umstellung?
Durch die Umstellung auf Ökolandbau ergeben sich in den verschiedenen Betriebszweigen unterschiedliche Veränderungen.
Grundsätzlich orientiert sich der ökologische Landbau an den Leitbildern der Kreislauflandwirtschaft, basierend auf organischer Wirtschaftsweise. Zudem gelten bestimmte Vorgaben für besonders artgerechte Tierhaltungsverfahren.
Aktuell wird der ökologische Landbau gesetzlich definiert durch die EU- Verordnung zum ökologischen Landbau 834/2007 und deren Umsetzungsverordnung 889/2008. Hierin ist detailliert die Produktions- und Verarbeitungsverfahren, das Kontrollverfahren und die Vermarktungskennzeichnungen festgelegt. Darüber hinaus haben die Verbände des Öko- Landbaus, u. a. Demeter, Bioland, Naturland und Biopark noch darüber hinausgehende privatrechtliche Qualitätsparameter in der Erzeugung.
In der Praxis sieht die Umsetzung der Öko Verordnung wie folgt aus:
Marktfrucht
Es sind Chemisch- synthetisch hergestellte Düngemittel nicht zugelassen. Entsprechend werden zur Sicherstellung der Stickstoffversorgung neben wirtschaftseigenem Dünger vorwiegend Leguminosen in der Fruchtfolge eingesetzt. In Schleswig- Holstein sind das neben den Körnerleguminosen vorwiegend eineinhalb bis zweijähriges Kleegras. Grundsätzlich sollte der Anteil an Futterleguminosen bei 20 bis 30% liegen, wobei jeweils eine Grundfruchtfolge an den Standort angepasst sein sollte.
Durch eine sorgfältige Behandlung der Wirtschaftsdünger und den Anbau von Zwischenfrüchten werden Nährstoffverluste minimiert. Bei nachgewiesenem Bedarf (Bodenuntersuchung) ist nach der EG-Öko-Verordnung der Zukauf von Wirtschaftsdünger von anderen Öko-Betrieben (mit Einschränkung auch Mist von konventionellen Betrieben) oder von zugelassenen organischen Handelsdüngern erlaubt.
Das Saatgut muss aus ökologischer Erzeugung stammen. Nur wenn Öko-Saatgut nicht verfügbar ist, kann nach Genehmigung durch die Kontrollstelle auch ungebeiztes Saatgut aus konventioneller Vermehrung verwendet werden.
Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Herbizide sind ebenfalls nicht erlaubt. In der Regel treten Pflanzenkrankheiten und Schädlinge wegen des reduzierten Düngungsniveaus in relativ geringerem Umfang auf als. Ihre Ausbreitung lässt sich durch vorbeugende Maßnahmen (Standort- und Sortenwahl, Fruchtfolge, Anlage von Hecken als Lebensräume für Nützlinge) und mit natürlich vorkommenden Wirkstoffen begrenzen. Die Beikrautregulierung erfolgt vorwiegend über die Fruchtfolgegestaltung und durch mechanische und thermische Verfahren.
Außer bei Spezialkulturen wie Gemüse ist die Arbeitsbelastung im ökologischen Pflanzenbau nicht höher als bei vergleichbaren Kulturen im konventionellen Anbau.
Dass jedoch im Normalfall die Gesamt-Arbeitsbelastung in den Betrieben infolge der Umstellung zunimmt, liegt an dem zusätzlichen Aufwand bei der Vermarktung sowie an den steigenden Anforderungen im Management.
Milchvieh-Futterbau
Die Umstellung eines Milchviehbetriebes ist in den meisten Fällen einfach und leichter möglich als für andere tierhaltende Betriebsformen, weil die heute üblichen Aufstallungsformen mit Boxenlaufställen nach der Anpassung der Spaltenanteile (mindestens 50 Prozent planbefestigt) und der Mindestflächenvorgaben (z. B. 6 qm/Milchkuh) für die Tierhaltung in Öko-Betrieben gut geeignet sind.
Zusätzlich müssen folgende Aspekte berücksichtigt werden:
Im Bereich Futterbau muss die Tierhaltung sorgfältig auf den Standort und die Fruchtfolge abgestimmt sein. Es ist eine Futterplanung zu erstellen, wobei je nach Standort mit 0,6 bis 1,2 Hektar Futterflächenbedarf je RGV (Rindergroßvieheinheit) zu rechnen ist.

Um den Viehbestand auf die mögliche Futterlieferung abzustimmen, muss gegebenenfalls Mastvieh verkauft oder im Milchviehbetrieb die Nachzucht reduziert werden. Da Kraftfutter relativ teuer ist und daher zurückhaltend eingesetzt wird, sollte das „billigere“ Grundfutter in optimaler Qualität gefüttert werden und die Grundfutterleistung gesteigert werden. Entsprechend ist mehr Grundfutter zu erzeugen, und es sind Futterreserven einzuplanen. Eventuell müssen Flächen zugepachtet werden.
Je nach bisheriger Intensität kann der Futterertrag um bis zu 30 Prozent zurückgehen.
Im Futterbau ist zu berücksichtigen, dass es in den ersten Umstellungsjahren zu stärkeren Ertragsrückgängen kommen kann. Durch optimale Verteilung der Wirtschaftsdünger, sowie Etablierung von Klee in der Grünlandnarbe kann der Ertragsrückgang gemildert und teilweise verhindert werden. Zusätzlich beeinflussen eine ausgewogene Fruchtfolge, Narbenpflege und Nachsaaten mit Klee positiv den Futterbau.
Die Etablierung von Leguminosen in der Grünlandnarbe wird außerdem durch den geringen Düngereinsatz und das Nutzungsregime begünstigt.
Auf dem Ackerland werden Futterleguminosen (zum Beispiel Kleegras oder Luzerne), als Haupt- oder Zwischenfrüchte angebaut. Dieses Futter vom Ackerland gilt als Öko-Futter, wenn die Umstellung mindestens 24 Monate vor der Aussaat erfolgte. Liegt die Umstellung zwölf Monate zurück, kann das Futter mit begrenzten Anteilen an der Futterration als Umstellungsfutter verwendet werden.
Futter vom Grünland kann als Umstellungsfutter genutzt werden, wenn die Flächen vor der Ernte mindestens zwölf Monate gemäß EG-Öko-Verordnung bewirtschaftet wurden. Liegt der Beginn der Umstellung mindestens 24 Monate vor der Ernte, gilt das betreffende Futter uneingeschränkt als Öko-Futter.
Schweinehaltung
Die Nachfrage nach ökologisch erzeugtem Schweinefleisch hat im letzten Jahr eine deutliche Steigerung erfahren, ist aber insgesamt anteilig am Gesamtschweineabsatz im Vergleich zu anderen Produktgruppen von geringerer Bedeutung. So werden aktuell nur 0,5% des in Deutschland vermarkteten Schweinefleisches aus ökologischer Erzeugung abgesetzt. Insgesamt ist hier mittelfristig noch von einer deutlichen Ausdehnung auszugehen:
Zu beachten ist, dass die gesetzlich vorgegebenen Anforderungen an die ökologische Schweinehaltung hinsichtlich Fütterung und Haltung relativ hoch sind. Wesentliche Merkmale sind u.a.: Der maximale Tierbesatz pro ha darf ein Äquivalent von 170 kg N pro Jahr nicht überschreiten, d.h. 6,5 Sauen, 74 Ferkel oder 14 Mastschweine pro Hektar; Allen Tieren ist in jedem Haltungsabschnitt Auslauf im Freien zu gewähren; außer der Kastration ist kein systematisches Entfernen von Körperteilen, wie Zähne abkneifen oder kupieren von Schwänzen erlaubt; es gelten doppelte Wartezeiten beim Einsatz von Medikamenten; Hormone jeglicher Art dürfen mit Ausnahme der therapeutischen Behandlung am Einzeltier nicht eingesetzt werden; chemisch-therapeutische Medizin und Antibiotika dürfen bei Zuchtschweine maximal 3 mal pro Jahr, bei Mastschweinen maximal 1 mal pro Jahr eingesetzt werden.
Die Fütterung erfolgt auf Basis der im eigenen Betrieb erzeugten Futtermittel. Diese dürfen, falls erforderlich, durch zugekaufte Futtermittel aus ökologischer Erzeugung ergänzt werden. Der Futterration können maximal 100 Prozent Umstellungsfuttermittel aus dem eigenen Betrieb, bzw. maximal 30% zugekaufte Komponenten aus Umstellung beinhalten. Den Schweinen ist täglich frisches Raufutter (Heu, Stroh, Silage) zu geben. Die Säugezeit beträgt mindestens 40 Tage.
Zudem sind für die Unterbringung der Tiere folgende Mindestanforderungen formuliert:
Betriebswirtschaftliche Auswertungen zeigen, dass eine erfolgreiche ökologische Schweinehaltung vor allem dann möglich ist, wenn über gute Haltungs- und Fütterungsbedingungen in arbeitswirtschaftlich optimierten und preisgünstig erstellten Stallungen gute Tierleistungen erzielt werden. Zudem sind verlässliche Absatzwege für die hochpreisigen Produkte ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg.
Ablauf der Umstellung
Die Umstellungszeit beginnt prinzipiell mit dem Datum des Kontrollvertrags mit einer zugelassenen Öko- Kontrollstelle bzw. bei Zugang von Einzelflächen mit dem Datum des Flächenzugangs, z. B. Datum des Pachtvertrags zum Bio-Betrieb. Es ist grundsätzlich keine rückwirkende Anerkennung der Umstellungszeit möglich.
Entsprechend der EU-Bio-Verordnung wird der Status der Kulturen folgendermaßen vergeben:
Umstellungsware (U): die Ernte erfolgt mindestens 12 Monate nach Kontrollvertragsabschluss
Anerkannte Bio-Ware (A): die Aussaat (Pflanzung) erfolgt mindestens 24 Monate nach Kontrollvertragsabschluss
Im unten stehenden Beispiel ist der Abschluss des Bio-Kontrollvertrags der 1. Mai 2010:
Die Ernte 2010 gilt als konventionelle Ware. Die Ernten ab 2. Mai 2011 gelten als Umstellungsware. Der Anbau nach dem 1. Mai 2012 gilt als anerkannte Bio-Ware. Bei Schweinen, sowie Milchkühen gilt eine Umstellungszeit von 6 Monaten ab dem ersten Tag der Fertigstellung des Stallumbaus und entsprechender Öko- Fütterung.

Ökoförderung Neuantragsverfahren in Schleswig- Holstein ab 2009:
Landwirtschaftliche Betriebe, die entsprechend der EU- Öko- Verordnung produzieren können am geplanten Agrarumweltprogramm Ökolandbau des Landes Schleswig- Holstein teilnehmen. Dies beinhaltet folgende Punkte:
Zuwendungshöhen sind:
Acker- und
Dauergrünlandflächen (DGL) 137 €/ha für die ersten zwei U-Jahre:
262 €/ha
Gemüseanbauflächen 271 €/ha
für die ersten zwei U-Jahre: 693 €/ha
Dauerkulturen 662
€/ha für die ersten zwei U-Jahre:1107 €/ha
Die Ökoförderung bezieht sich auf brutto Landwirtschaftliche Nutzflächen (Nettofläche plus beihilfefähige im Grundantrag ELSA anerkannte Landschaftselemente).
Die Bagatellgrenze beträgt 1000 €/Jahr. Der Bewilligungsumfang umschließt maximal den Umfang der bewirtschafteten Flächen gemäß dem aktuellen Sammelantrag.
Der Mindestviehbesatz für Dauergrünlandflächen beträgt 0,3 RGV/ha. Auch neu gepachtete Flächen der Stiftung Naturschutz sind förderfähig.
Zu beachten ist, dass auch bei Beantragung der Ökolandbau- Förderung die Antragsfrist jeweils mit dem 15.Mai endet.
Wer die Ökolandbau- Prämien beantragt muss sich bis zum Beginn der Maßnahme bei einer staatlich zugelassenen Kontrollstelle für die öko- Landbau- Zertifizierung anmelden. Mit dieser Anmeldung wird auch für die Flächen der Beginn der ökologischen Bewirtschaftung festgelegt. Auf Mähdruschfruchtbetriebe ist das meist der 1. Juli, da so im darauf folgenden Jahr bereits Öko- Futter aus der Umstellung geerntet werden kann.
Das Budget bietet die Möglichkeit zusätzlich zu den bisher geförderten Flächen für insgesamt 3,6 Mio. € weitere Ökoflächen für 2010-2014 zu fördern, d.h. es liegen für zusätzliche 4000 ha Förderungsmöglichkeiten bereit. Sollte darüber hinaus beantragt werden gibt es hinsichtlich der Bewilligung eine Prioritätenliste. Diese musste bisher nicht angewendet werden.
Bei einer Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise sind
betriebsindividuell und zielgerichtet die richtigen Schritte für eine gute
Wirtschaftlichkeit gesetzt werden.
Eine fachgerechte neutrale Beratung hilft hierfür die
Grundlage aufzubauen.
Der ÖKORING